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Schwieriger, aber reich an Perspektiven

50 Jahre WERGO – ein Gespräch mit Peter Hanser-Strecker

• WERGO, das führende Label für zeitgenössische Musik, feiert im Mai 2012 seinen 50. Geburtstag. Welche Gründe hat SCHOTT MUSIC damals dazu bewogen, das Label von Werner Goldschmidt zu übernehmen?

Da war zum einendie Faszination des für uns als Verlag neuen Mediums für die neue Musik. Andererseits bot der Schallplattenbereich eine wichtige Erweiterung der verlegerischen Amplitude und damit eine Verbreiterung der Wertschöpfung.

• Ist das gelungen? Sehen Sie sich heute in Ihren Absichten bestätigt?

Verlegen ist in der Regel nur erfolgreich, wenn man bereit ist, sich konsequent und nachhaltig für seine Komponisten und Künstler einzusetzen. Verlag und WERGO ist dies gleichermaßen gelungen. Ohne WERGO wären viele wichtige Werke in den Medien nicht präsent.

• In den vergangenen Jahren wurde der CD-Markt deutlich durchgerüttelt. Der legale und illegale Download, der dramatische Rückgang des Tonträgerhandels und wirtschaftliche Krisen haben den Major Labels arg zugesetzt. Gab es Auswirkungen auch auf die unabhängigen Labels? Wie hat WERGO darauf reagiert?

Der Paradigmenwechsel im Medienbereich hat alle Labels hart mit den bekannten Störfaktoren konfrontiert. WERGO konnte sich aber als Speziallabel in seiner Nische gut behaupten. Wir sind gleichwohl gut beraten, auf die Zeichen der Zeit mit allen neuen medialen Möglichkeiten zu reagieren. Das Downloaden von Text und Ton in hoher Qualität ist eine neue Herausforderung, die wir im Geburtstagsjahr gerne aufgreifen wollen.

• Auch die Produktionsbedingungen unterscheiden sich heute von jenen, die in den zurückliegenden 50 Jahren galten. Wie können da aufwändige Produktionen überhaupt noch auf CD kommen?

Während wir früher auf die Klangkörper, Konzertsäle und Aufnahmetechnik der Rundfunkanstalten angewiesen waren, ist dies heute nicht mehr der Fall. Trotzdem können wir mit einer Reihe von Rundfunkanstalten immer noch große und großartige Produktionen realisieren.
Dadurch, dass heute die technischen Aufnahmebedingungen günstiger und besser geworden sind und es immer noch Mäzene gibt, können wir vermehrt mit freien Ensembles besondere und besonders aufwändige Produktionen meistern.

• Zeitgenössische Musik – das bedeutet heute eine Vielzahl an Genres und unterschiedlichsten ästhetischen Ansätzen. Ist diese Breite überhaupt noch abbildbar? Wie geht WERGO damit um?

Seit den frühen Anfängen von WERGO liegt der Reiz in der ständig steigenden Vielfalt und Unerschöpflichkeit musikalischer Kreativität. Wenn die Absatzkanäle größer und besser wären, so könnten wir auch die Zahl unserer Veröffentlichungen erhöhen. Aber: Wir beschränken uns gerne auf Wesentliches.

• Wofür steht WERGO heute – und morgen?

Für Tradition und Fortschritt, für Bewährtes und Unerhörtes, für Mutiges und Wegweisendes.
 

Zur Person
Dr. Peter Hanser-Strecker ist Vorsitzender der Geschäftsleitung von Schott Musik International und einer der Geschäftsführer von Schott Music & Media
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